Grenzfälle Teil 2

Grenzfälle Teil 2

Grenzfälle Teil 2

Grenzfälle Teil 2b

Grenzfälle Teil 2b

Wohl nur wenig später hatten die Obotriten begonnen, eine Halbinsel im Unterlauf der Trave zu befestigen und damit einen günstigen Hafen- und Handelsplatz an der südlichen Westküste der Ostsee, dem heutigen Lübeck, begründet. Von dort gelangte man schnell über Trave, Stecknitz und Delvenau in die Elbe und von dort über die Ilmenau nach Bardowick. Diese Siedlung war im 9. Jahrhundert einer der wichtigsten Orte an der Elbe und wurde erst später durch Hamburg abgelöst.
Doch letztlich bewahrte diese kurze Allianz die Obotriten nicht vor einer zunehmenden Abhängigkeit vom erst fränkischen und später deutschen Reich. Weiter im Osten des Reiches gelang es zwar König Heinrich I., weitere slawische Stämme zu unterwerfen, doch das Obotritenland blieb weiter unter der Herrschaft seiner alteingesessenen Dynastie. Vermutlich unter dem Eindruck der Niederlage der Wilzen (einem anderen slawischen Stamm), den diese bei Lenzen an der Elbe gegen die Sachsen 929 erlitten hatten, sah sich die Führungsschicht der Obotriten genötigt, sich taufen zu lassen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Macht des deutschen Reiches im Norden, versuchten die Obotriten zusammen mit ihren alten Rivalen, den Wilzen, in einem Bündnis der deutschen Bedrohung zu begegnen. Der Zeitpunkt war günstig, denn die Ungarneinfälle im Süden des Reiches erforderten König Ottos besondere Aufmerksamkeit und bot den Slawen eine Gelegenheit, ihre Position im Nordosten des Reiches zu stärken. Doch sofort nach seinem Erfolg gegen die Ungarn auf dem Lechfeld am 10. August 955 wandte Otto sich nach Norden und beendete noch im selben Jahr mit der Schlacht an der Raxa, in der Nähe des heutigen Ribnitz-Damgarten in Mecklenburg, die Unabhängigkeitsbestrebungen der Slawen. Jetzt mussten sie sich dem späteren deutschen Kaiser (ab 962) unterwerfen. Allerdings nicht für lange, knapp 30 Jahre später – 983 – gelingt es ihnen, die deutsche Herrschaft durch einen Aufstand abzuschütteln.
1043 wird Gottschalk aus dem Haus der Nakoniden erster Herzog der Obotriten. Er bemüht sich um den Aufbau eines christ- lichen elbslawischen Staatsgebietes, wird aber 1060 ermordet. In der Folge wechseln sich christliche und nichtchristliche Anfüh- rer in der Herrschaft über die Obotriten ab. Im Zuge der Auseinandersetzung um Vorherrschaft in Holstein bzw. im Raum nördlich der Elbe, kommt es auch zu erneuten Konflikten mit den germanischen bzw. deutschen Nachbarn. Immer wieder überschritten die Parteien den Limes Saxoniea und fielen über ihre obotritischen bzw. sächsischen Nachbarn her. 1066 und erneut 1072 gelang es den Slawen, den Hauptort Stormarns, Hamburg, zu überfallen und niederzubrennen.
Nach der Schlacht von Schmilau, in der Nähe von Mölln im heutigen Kreis Herzogtum Lauenburg, übernimmt 1093 Gottschalks Sohn Heinrich die Herrschaft im Obotritenreich, doch mit seinem Tod 1127 zerfällt sein Reich wieder. Als ab 1147 der Sachsenherzog Heinrich der Löwe seine Feldzüge gegen die Slawen, die so genannten Wendenkreuzzüge, beginnt, gelingt es ihm, auch große Teile des Obotritenlandes zu unterwerfen.
1160 unterwerfen die Dänen und Sachsen gemeinsam die Reste des Obotritenreiches, aber 1167 erhält Pribislav, ein Sohn des Fürsten Niklot nach dessen Unterwerfung das Land als Lehen des Herzogs Heinrich des Löwen zurück. Die Bemühungen um ein unabhängiges Herrschaftsgebiet der Obotriten waren damit beendet. Während im Laufe der Zeit die slawische Bevölkerung sich nach und nach mit der germanischstämmigen vermischte, gelingt es nur im Südwesten Deutschlands dem kleinen Volk der Sorben, eine gewisse kulturelle Eigenständigkeit zu bewahren. Aber auch noch heute kann man in Stormarn Hinweise auf die slawische Vergangenheit des Kreisgebietes erkennen. In einigen Ortsnamen finden wir deren slawische Wurzeln wieder: Der Name Grabau (Grabowe) ist auch im Lauenburgischen, in Mecklenburg und im Wendland zu finden. Als Siedlung des Nosek finden wir in Nutzicowe bzw. Nütschau diesen Ortsnamen wieder. Auch im Namen Tralau (Traloe) kann man deren sla- wische Urheberschaft erkennen, nämlich einer Furt durch die Trave. Der Name Oldenburg leitet sich direkt von der slawischen Bezeichnung Starigard (alte Burg) für den Hauptort der Wagrier ab.
Dr. Carsten Walczok

Oldenburger Wallmuseum
Dr. Stephanie Barth
Jörg Wehrend
04361 623142
info (at )oldenburger-wall.de
www.oldenburger-wallmuseum.de

25.9. 9. Landmarkt
10./11.12. 8. Vicelinmarkt
www.kreisarchiv-stormarn.de

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