Glinde – Dorf im Umbruch

Glinde - Dorf im Umbruch

Glinde – Dorf im Umbruch

Die Stadt Glinde begeht im Oktober ein kleines Jubiläum. Vor 75 Jahren erlebte das 544-Einwohner-Dorf eine tiefgreifende Umwandlung. Diese Veränderungen führten letztlich dazu, dass aus der kleinen Gemeinde am Rande Hamburgs in späteren Jahren eine Stadt werden konnte. Was war geschehen? Nach der Machtübernahme durch die Nazies begannen diese sehr bald mit einem umfangreichen Rüstungsprogramm. Für die kommenden Kriege brauchte man eine schlagkräftige Streitmacht. Im Rahmen dessen kam es zu einem Ausbau der Rüstungsindustrie und zu umfangreichen Errichtungen von neuen Wehrmachtsstandorten. Dies traf beides auch auf Glinde zu, denn die günstige Infrastruktur, Glinde hatte einen Bahnanschluss und eine Busverbindung mit Hamburg, waren für die NS-Planer sehr interessant.
Ab 1936 sollte deshalb aus Glinde ein Industrie- und Wehrmachtsstandort werden. Einmal wurde im Nordwesten des Dorfes ein Heereszeugamt und im Süden ein Unternehmen der Krupp AG aus Essen errichtet. Dort ließ Krupp Kurbelwellen für die Luftwaffe produzieren.
Als Folge dieser Ansiedlungen kamen auch zahlreiche Mitarbeiter von Krupp und von der Wehrmacht nach Glinde. Für sie musste Wohnraum geschaffen werden. Dafür und zum Teil auch für das Kurbelwellenwerk brauchte man Bauland – mehr als es in Glinde gab. Also mussten die Nachbarn Land abgeben. Oststeinbek, Reinbek, Schönningstedt und Willinghusen (letztere waren damals noch selbstständig) traten nun, teilweise unter Protest, Land an Glinde ab. Dort wiederum war man mindestens ebenso überrascht über diese Entwicklung wie auch erfreut, denn Glinde entwickelte sich so innerhalb kürzester Zeit neben Ahrensburg zu einem Industriestandort im Kreis. Die Verwaltung musste nun ebenso wie das Dorf selber wachsen. Zum Beispiel bekam Glinde nun sogar auf Drängen von Reinbek ab 1940 ein eigenes Standesamt. Durch ein Arbeitslager sollte während des Krieges (1939-1945) dem Arbeitskräftemangel begegnet werden. Aus diesem „Lager Wiesenfeld“ wurde später sogar ein eigener Stadtteil in Glinde.
1945 kam zwar das Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, aber für Glinde war, wenn auch aus ablehnenswerten Beweggründen, eine Grundlage geschaffen worden, die den Ort auch weiter wachsen ließ und ihm gleichsam, als ein Endpunkt der Entwicklung, 1978 das Stadtrecht eintrug.
Die Stadt Glinde möchte im Oktober 2011 an diese Geschichte mit einer Ausstellung erinnern.
Dr. Carsten Walczok

Stadtarchiv Glinde
Dr. Carsten Walczok
Markt 1
21509 Glinde
040-710 02 215
Carsten.Walczok (at) glinde.de
www.glinde.de

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